Wenn du bei Google „Freilernen Irland“ oder „Auswandern Schulpflicht“ eingibst, wirst du mich ziemlich schnell finden. Denn spätestens seit meinem Interview bei Stadt Land Mama bin ich bekannt als die Marlene, die mit ihrer Familie nach Irland ausgewandert ist, damit ihre Kinder dort freilernen können. 

Daran hat sich nichts geändert. Und doch wird dich folgender Satz vielleicht überraschen:

Unser Vierzehnjähriger will in die Schule – und ich freu mich darüber. 

Nicht, weil ich traditionelle Beschulung auf einmal so unerlässlich finde. Auch nicht, weil ich das Gefühl habe, dass ihm aktuell irgendetwas fehlt. 

Im Gegenteil: Ich sehe jeden Tag, wie glücklich er ist. Wie ausgeglichen, zuversichtlich, verantwortungsvoll und zielstrebig. Wie viele bereichernde Freundschaften er hat und was für beeindruckende Projekte er auf die Beine stellt. Er hat Fähigkeiten, von denen ich nur träumen kann – und viele davon hat er mit großer Begeisterung und absolut selbstorganisiert gelernt. 

Ja, du liest hier definitiv Mutterstolz heraus. Aber auch tiefe Dankbarkeit, dass all das Schöne zurückgekommen ist: Seine Lebensfreude, seine Kreativität, seine Neugier, sein Vertrauen zur Welt und den Menschen. Und ich habe keine Zweifel:

Das schulfreie Leben der letzten vier Jahre hat ihm diese Entwicklung ermöglicht. 

Wenn ich daran denke, wie gestresst und belastet der Grundschulalltag in Deutschland war und wie sehr unser Familienleben damals litt – dann glaube ich, die Probleme hätten sich mit der Zeit verfestigt.

Hausaufgaben wären nicht leichter geworden. Frühes Aufstehen genauso wenig. Und Anspannung, Frust und Sorge, die uns alle wie eine dunkle Wolke umhüllten, hätten sich auch nicht in Luft aufgelöst. 

Warum freue ich mich also darüber, dass Schule jetzt in unser Leben zurückkehrt? 

1. Weil unser Sohn sich selbst dafür entschieden hat.

Wir sind damals nach Irland gekommen, damit unsere Kinder eine Wahl haben. Schule ist da, wenn sie wollen. Und wenn nicht, ist das auch völlig in Ordnung. 

Wie schön wäre es, wenn junge Menschen die gleiche Freiheit auch in Deutschland hätten. Wenn sie selbstwirksam entscheiden könnten: Jetzt ist für mich die richtige Zeit gekommen, in die Schule zu gehen (oder auch nicht). Wie viel kraftvoller und menschenwürdiger ist das, als mit 6 Jahren in die Schule gezwungen zu werden. Ich bin einfach dankbar, dass unser Sohn diese Erfahrung machen kann. 

Und wenn er feststellt, dass für ihn außerschulische Bildung weiterhin besser funktioniert, dann kann er einfach zurück zu Home Education wechseln. Er hat keinen Druck, irgendetwas abliefern oder durchziehen zu müssen – und genau deshalb kann er seine Energie ganz darauf ausrichten, möglichst viel Wertvolles aus dieser Erfahrung mitzunehmen. 

Kurz gesagt: Unser Sohn weiß, wie gut außerschulische Bildung funktioniert. Er nimmt einen großen Schatz an Selbstvertrauen, Glück und Fähigkeiten daraus mit. Jetzt ist er neugierig, wie die irische Schule funktioniert, was er dort lernen und erfahren wird. Ich finde, es gibt keinen schöneren Grund, in die Schule zu gehen.

2. Weil es mich von einem verqueren Vorwurf entlastet.

Auch wenn ich immer betont habe, dass Schulbesuch unseren Söhnen jederzeit freisteht – viele Deutsche verstehen dieses Konzept einfach nicht. 

Sie gehen davon aus, dass Freilern-Eltern ihren Kindern die Schule ausreden oder verbieten. (Als ob junge Menschen grundsätzlich keinen dringenderen Wunsch als Schulbesuch hätten. Na klar.) 

Dass wir unsere Kinder niemals von etwas fern halten wollten, sondern ihre Wünsche ernst nehmen und ihnen einen möglichst breiten, sozial eingebetteten und emotional sicheren Zugang zu Bildung ermöglichen – das scheint völlig außerhalb der Erfahrungs- und Vorstellungswelt vieler Leute zu liegen.

Und obwohl ich mir entsprechende Vorwürfe nicht mehr zu Herzen nehme – manchmal ist es einfach anstrengend. Es ist anstrengend, für ideologisch verbohrt gehalten zu werden, nur weil Bildung in unserer Familie nicht nach Schema F läuft

Dass unser Sohn jetzt zur Schule geht, zeigt ohne viele Worte: Schule ist für uns eine Bildungsmöglichkeit unter vielen. Nicht mehr und nicht weniger. Und wir sind froh, diese Möglichkeit zu haben.

3. Weil es ein Abenteuer wird.

Wie auch immer sich der Wiedereinstieg in die Schule gestaltet – es wird auf jeden Fall spannend. 

Zum einen wird sich der gesamte Tagesablauf unseres Sohnes ändern – von sehr selbstorganisiert hin zu einem durchgetakteten Zeitplan mit vielen äußeren Anforderungen. Wir sind alle neugierig darauf, wie das wird. 

Er wird weniger Zeit für Ausflüge, Workshops oder Gespräche mit uns haben – dafür aber andere Lernmaterialien, Schul-Werkstätten und eine Menge Lehrkräfte, die Spezialwissen und (hoffentlich) Lust auf Zusammenarbeit haben. Ich bin gespannt, ob das sein Interesse an Themen weckt, die bisher noch nicht so in seinem Fokus waren

Bleibt trotzdem Unsicherheit?

Natürlich. Wir haben ja genug unangenehme Erfahrungen mit Schule gemacht – und es wäre merkwürdig, die auszublenden. 

Meine Freundinnen hier erzählen oft, dass ihre Kinder auch in höheren Klassen mit dem überfrachteten Schulalltag zu kämpfen haben. Ich schließe nicht aus, dass das auch in unserem Fall herausfordernd wird. 

Außerdem hören wir immer wieder von sozialen Spannungen in der Schule und die Freunde unserer Kinder sind meistens froh, wenn die Ferien endlich anfangen. Aber sie freuen sich auch darauf, den Schulalltag mit unserem Sohn zu teilen. Und er hat inzwischen so viele gute Freundschaften außerhalb von Schule, dass wir uns keine großen Sorgen um sein soziales Netz machen.

Und wie gesagt: Es bleibt die Möglichkeit, wieder auszusteigen. So fühlt sich Unsicherheit eher nach Neugier an als nach Angst. 

Sind wir noch eine Freilern-Familie?

Wie gesagt: Freilernen war für uns noch nie eine Ideologie oder eine klassische Aussteigerfantasie. Im Gegenteil, es kann etwas für „ganz normale Leute“ sein. Genauso gehörte freiwilliger Schulbesuch immer zu unserem Konzept. Daher hat sich weder an unseren Werten noch an unserer Haltung gegenüber Bildung etwas geändert. Wir halten Freiwilligkeit in Bildungsfragen nach wie vor für enorm wichtig. 

Außerdem gibt es noch einen anderen Sohn, der sehr zufrieden ohne Schule lernt und lebt. Wir Eltern werden also im Kontakt mit der irischen Behörde für Home Education bleiben und weiterhin deren Assessments durchlaufen. 

Zusammenfassend: Wir sind genauso eine Freilern-Familie wie vor zwei Jahren. Für unsere Kinder ist Schulbesuch eine freiwillige und selbstbestimmte Lernerfahrung – genau darum geht es uns bei gelingender Bildung. Und ich bin jeden Tag froh, dass wir damals diesen großen Schritt nach Irland gewagt haben, für die Bildung unserer Kinder und unser Glück als Familie. 

Wenn dich interessiert, welche Erfahrungen wir mit Schule in Irland machen, schreib mir das in die Kommentare.

Da mein Sohn ein Recht auf Privatsphäre hat, werde ich keine zu persönlichen Details von ihm erzählen, aber allgemeine Informationen über die Schule und mein Erleben als Mutter teile ich gerne mit euch. Schreib mir einfach deine konkreten Gedanken und Fragen in die Kommentare – ich freu mich darauf! 


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